Bereits sind wir in Ulan-Ude unsere letzte Station in Russland. Die Reise bis hier hin barg Höhen und Tiefen. Aber jetzt mal von Anfang an. Nach mindestens einem Tag zu lange in Kazan rumgelungert zu sein, waren wir froh weiter reisen zu können. Nach vielem Fragen und netten hilfsbereiten alkoholisiertem Sicherheitspersonal waren wir im Zug nach Ekaterinburg. Da wurde der Coupon unsere unterhaltung. Dieser vermisste die nette Provodniza (Zugbegleiterin) bei unseren Bilietts nämlich. Sie redete auf uns ein immer lauter die gleichen Worte. Da wir aber nicht taub sind sondern nur kein Russisch sprechen, kommen wir so nicht weiter. Wir verstehen ihr Problem noch nicht. Nächster Schritt ist, dass sie alles aufschreibt. Wir versuchen es mit einem App zu übersetzten. Nicht erfolgreich. Marc befürchtet schon sie setzt uns beim nächsten Stopp wieder aus dem Zug und wird langsam „grantig“. Und ich verfluche, dass ich kein Russischkurs besucht habe…Es stellt sich raus, dass die Frau den Coupon benötigt um uns die Bettwäsche und Essen abgeben zu können. Niet Bettwäsche, niet Essen und das Problem ist gelöst:-) Den nächsten Tag verbringen wir in Ekaterinburg. Um dem Couponproblem bei der Weiterfahrt zu entgehen versuchen wir die östreichischen Billiets in russische umzutauschen. Erfolglos. Daher ging am Abend im Zug das Theater wieder los. Doch mitfahren durften wir ja bis jetzt immer, uff. Die folgenden drei Tage waren reines Zugfahren. Das heisst rumliegen, lesen, versuchen einige russisch Wörtli zu lernen, die Landschaft aus dem Fenster beobachten und leckere Teigtaschen mit Kartoffelstock gefüllt und Würstli im Teig essen. Die instant Nudeln kann ich auch als Glutamatjunkie schon nach dem 2. tag nicht mehr sehen, wää. So passieren wir Novosibirsk, Krasnojarsk, Tajset und schliesslich Irkutsk. Doch wir steigen erst in Sljudjanka am Baikalsee aus. Zuhause dachte ich, dies sei die beste Idee der ganzen Reise. Naja… Sljudjanka ist ein Fischer- und Eisenbahnstädtchen. Schön gelegen aber sehr heruntergekommen und ohne Atraktionen. Unser Hotel ist etwas ausserhalb gelegen. Ein Taxi bringt uns für umgerechnet 4.50 hin. Das Lenkrad hat es auf der rechten Seite und fahren tun sie auch rechts… Unser Hotel zeigt sich von Aussen als Mischung aus einer Jagdhütte und einer Hippiebude. Schlamm, verfallene Hütten und Bauruinen bilden die nahe Umgebung. Diese Ankunft war mein persönliches Tief. 5 Tage sollen wir hier bleiben, och mein Gott. Doch das Zimmer ist sauber und wir haben super Aussicht auf den noch gefrohrenen See. Jeden Tag bekamen wir Zmorgen und Znacht im hauseigenen Resti, meine Überlebensängste sind damit schon besiegt. Diese Mahlzeiten bringen uns das typische russische Essen näher. Nahrhaft ist es auf jeden Fall. Das erste Zmorge war eine Omelette aus geschätzt mindestens 5 Eiern. Da hatte ich doch ein dejà -vu ans KSA. Ich habe mich wacker geschlagen doch mer als 1/3 ging nicht runter. Am Abend gab es immer Salat, Suppe und Hauptgang. Z.B. Randensalat mit Knoblisauerrahm, Goulaschsuppe und Zwei Crêps gefüllt mit Hackfleisch und Zwiebeln übergossen mit flüssiger Butter. Ich sehnte mich inzwischen nach einem frischen leichten Salat. Damit wir die Portionen auch aufessen konnten, wenigstens am Abend, sind wir jeden Tag spazieren und wandern gegangen. Dem Seeufer entlang ins Städtchen war die beliebteste Route. Dabei stand immer zweimal die Überquerung von 8 Zuggeleisen an. Für mich Adrenalin in rauen Mengen. Endlich kam der ersehnte Sonntag. Der Rucksack ist gepackt und wir freuen uns auf die Weiterreise. Und zu unserer Überraschung ist das Ticket hier für den Zugbegleiter kein Problem. Nach dem Einsteigen ist uns auch klar warum. Der Zug ist super schön, modern und für uns schon luxuriös. Ahh das wäre der Zug der Globetrotter und alle Reisebüros empfehlen, bravo! Und wir sind nur 4 Stunden im Zugparadies, mist!
Die Fahrt führt direkt am Seeufer entlang, phantastisch.